31.07.11

Mac OS X: "Lion"

Warum nicht mal eine Produktreview?

Ich habe mich bereits über Filme, Alben & DVDs aufgeregt, habe ganze Compilations in der Luft zerrissen und mich über die größten Errungenschaften der deutschen Automobilindustrie lustig gemacht, also warum zum Teufel sollte ich nicht einmal eine klassische Review schreiben, eine der schönsten Textsorten der Internet-Ära.

Und auch eine der schwierigsten! Denn jemand, der eine Produktreview liest, ist Teil eines ganz delikaten und raren Zielpublikums: Entweder spielt er (oder sie) gerade mit dem Gedanken, eine Stange Geld in Produkt X zu investieren - und braucht diesen letzten Schubs über die Klippe - oder er (respektive sie) hat das Teil bereits gekauft & sucht jetzt verzweifelt das Netz ab nach guten Argumenten, die diese Entscheidung untermauern - oder wenigstens diese horrenden Ausgaben rechtfertigen!

Also, lange Reder, kurzer Sinn: Ich hab mir etwas einfaches ausgesucht für meinen Jungfernflug. Reden wir mal über das neue Mac OS X, genannt "Lion" - oder "10.7".

Und wenn wir schon diesen Versuch unternehmen, dann auf meine Art. Der Henrie Schnee-Stil lässt sich einfach umschreiben: Fang an zu schreiben, wenn der Zeitdruck am heftigsten wird, koch dir einen respektablen Vorrat an Kaffee, dreh diese wirre Musik lauter, und wenn du kannst, tu alles in deiner Macht liegende um deinen Bewusstseinszustand zu maximieren.

Plus: Der frühe Vogel fängt den Wurm! Ich bin heute gegen 15:00 Uhr erst aus meinen Träumen hochgeschreckt, denn ich hatte eine lange Nacht hinter mir. Ein OS-Update (OS ist neudeutsch für "Operating System", d.h. Betriebssystem) ist immer eine merkwürdige Art von Event.
Ich arbeite beruflich mit Computern, im weitesten Sinne, und meine gesamte weitere berufliche, finanzielle und akademische Laufbahn wird auf's engste mit diesen Denkmaschinen verknüpft sein. Es hat Vorteile, als Kind der geborene Einzelgänger gewesen zu sein, der seine Wochenenden lieber alleine vor einem Bildschirm verbringen wollte - zumal das ja trotzdem meinen Soft Skills nicht geschadet zu haben scheint.
Kurz gesagt, so sieht mein Werdegang aus, beginnend irgendwann in den finsteren 90ern: Win95/DOS, Windows XP SP1, SP2, Mac Leopard, Mac Snow Leopard, iOS, Mac "Lion".

(Ich kann wirklich gut mit Menschen umgehen! So lange es nicht zu viele auf einmal sind & sie keine Kaninchenkostüme tragen)

Vorbereitungen

Der Umstieg auf "Lion" hielt mich gestern den halben Tag auf Trab. Zeitaufwendig war nicht das Update an sich, sondern die gottverdammten Vorbereitungen!
Nur ein Tölpel würde ein neues, frisch veröffentlichtes Betriebssystem auf seinem einzigen Rechner installieren, auf dem er seine gesamte Arbeit, alle Projekte, die Früchte von fünf Jahren gespeichert hat, ohne vorher ein Backup zu machen.
Und genau da lag das Problem, denn meine alte Backup-Festplatte (eine billige Western Digital mit 500 GB) hatte bereits letzten Herbst den Dienst aufgegeben, als Opfer massiver häuslicher Gewalt & Hardwaremissbrauch.

Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen? Ich bin, nach wie vor, ein armer Student - und arme Studenten schmeißen nicht mal so nebenher nen 100er aus dem Fenster, nur für so etwas banales und sinnvolles wie eine externe Festplatte.
Doch irgendwo in den Eingeweiden der Bürokratie muss ein Versehen gemacht worden sein, und so erhielten ich & meine Kollegen eine lächerliche Gehaltserhöhung (mit rückwirkender Auszahlung), und wie es das Schicksal so wollte, reichte der Betrag in meinem Fall exakt für eine neue Seagate FreeAgent Go Flex Desk mit 2TB (die wissen echt, wie man einem Produkt 'nen einprägsamen Namen gibt, hm?).
Der Rest meiner ersten und voraussichtlich letzten Gratifikation dieser Art ging für eine 2 Meter USB-Verlängerung drauf. Denn ein zu kurzes Kabel war die Todesursache meiner alten externen Festplatte; sie wurde immer hinter meinem Laptop durch's Zimmer mitgeschleift.

Dann brauchte ich noch zwei iTunes-Karten à 15 Euro (und eine Müllermilch, denn ich fühlte mich plötzlich ein wenig unterzuckert), da OS X "Lion" exklusiv über Apples neuen Mac App-Store bezogen werden kann, zum Dumping-Preis von 23,99 Euro.
Man kann das sehen, wie man will - ich denke, es ging mehr um die Geste als um die tatsächliche Praktikabilität. Beispielsweise ist bis jetzt noch nicht so richtig sicher, wie eigentlich Firmen und Universitäten an Lizenzen für das neue Betriebssystem kommen sollen - denn der App-Store richtet sich ausschließlich an Privatkunden. Ich hatte diesbezüglich vor ein paar Wochen eine Anfrage an Apple geschickt, aber außer eine lächerlichen Non-Antwort, die auch aus Catch-22 hätte stammen können, habe ich seitdem nichts mehr von denen gehört.

Quo the fuck vadis, Apple?

Anyway, dieser Schritt hat auch eine zweite Implikation: Nachdem Apple sich letztes Jahr erfolgreich mit Flash angelegt hat, soll dieses Jahr das gute alte ROM-Laufwerk daran glauben. Die Argumentation ist simpel: Wir kriegen doch heute eh bereits alles aus dem Internet! Wann hast du das letzte Mal ein Laufwerk in deinem Laptop benötigt? Sicher nicht, um Programme zu installieren!
Naja... irgendwie wirkt das wie eine Flucht nach vorne für eine Firma, die es im Jahr 2012 noch nicht auf den Apfel gebracht hat, Blue Ray-Laufwerke in seine Multi-Media-Monster zu integrieren. Ich kenne die Gründe dafür, aber ich kann auch sehen, wie dies langfristig zu einem Problem werden wird.
Denn das Problem sind die minimalistischen Kunden, die sich eigentlich sonst bei Apple so wohl fühlen sollen. Angenommen, ich würde keinen anderen medialen Zugang zur Welt besitzen als mein Laptop, also kein Radio, kein Fernsehen, keine Stereo-Anlage, keine Playstation... dann wäre ich sicher interessiert nach einem bezahlbaren Laptop, auf dem ich gottverdammtnochmal meine DVDs kucken kann.

Dennoch hat Apple das Ende des Laufwerks eingeläutet: Das neuste MacBook Air, das den Platz der alten Plastik-MacBook Einsteigerlaptops eingenommen hat, verfügt in keiner Konfiguration mehr über ein Laufwerk. Der Minimalist hat keine andere Wahl, als sich ein seperates, externes Laufwerk dazu zu ordern; sofern er nicht das Laufwerk eines anderen Geräts im Heimnetzwerk verwenden kann.
Okay, das kann ich nachvollziehen - aber dass der neuen Mac Mini, der eigentlich seit jeher als Apples "Fernseh-Computer" gepriesen wurde, auch kein Laufwerk mehr hat - wo ist da die Logik? Wir haben so ein Teil auf der Arbeit, ich mag sie, und ich weiß, wie klein die Dinger wirklich sind. Um davon jetzt noch ein paar Zentimeter zu sparen und auf das Laufwerk zu verzichten, finde ich ehrlich gesagt bescheuert - zumal sich diese Einsparung in keinster Weise im Preis niederschlägt.

Aber all diese Phänomene sind nur Indizien für Apples zukünftige Strategien: Das Internet wird physische Medien über kurz oder lang bedeutungslos machen. Klar, für mich wäre es heute ein lächerliches Unterfangen, einen HD-Film per bezahlten Stream zu kaufen, wenn ich mir genauso gut die Karre schnappen könnte mit einem guten Vorwand, mal wieder zum nächsten Media Markt zu rasen, Samstags-Abends, kurz vor Ladenschluss - mit Bleifuss, blind für alle Zebrastreifen, und einem Zwanni, der einem ein Loch in den Geldbeutel brennt...

Aber was, wenn wir bis zum Ende dieses Jahrzehnt (angenommen, die Welt geht nicht unter) alle an Glasfaserkabeln hängen? Gigabytes in Minuten runtergeladen werden, statt in Stunden? Apple weiß immer einen Ticken mehr über die unmittelbare Zukunft der westlichen Hemisphäre, you know...

Jetzt red endlich über OS X "Lion"!

Jajaja, ich bin etwas abgeschweift. Nachdem ich also endlich wieder ein Komplett-Backup meiner Festplatte machen konnte, was etwa so lange gebraucht hat wie "Four Lions", "Spider-Man 1" und "Cloverfield" hintereinander dauern, war ich endlich bereit, mir diesen kleinen Bastard zu installieren. Was dann überraschend schnell über die Bühne gegangen ist: Der eigentliche Download dauerte solide 3 Stunden (was aber kein Problem war, da ja eh das Backup noch andauerte), die eigentliche Installation dann nochmal gefühlte 45 Minuten, also in etwa das, was Snow Leopard seiner Zeit auch gebraucht hatte.

Aber Snow Leopard war mehr ein fettes Service-Upgrade, das den Mac technisch massiv aufgebohrt hat - an dem eigentlichen Design und Layout hatte sich mit 10.6 wenig verändert. Anders dieses mal: Mit "Lion" läutet Apple ein neues Jahrzehnt ein, optisch wie taktil. Noch mal ein kurzer Exkurs zur Erläuterung: Apple betreibt zwei große Plattformen, zum einen das Mac OS X für ihre Laptops und Desktop-PCs, zum anderen das iOS auf ihren kleinen iGeräten wie iPhones, iPods und iPads.
"Lion" ist nun der erste Versuch, beide Plattformen in der Bedienung einander anzupassen.

Ich denke, dies ist eine perfekte Stelle, um mit diesem lausigen Fließtext aufzuhören & den nächsten Teil des Reviews in nette kleine Unterpunkte zu unterteilen: Einzelne Updates, die sofort ins Auge fallen; Probleme und Awkward-Momente; besonders coole neue Features; et cetera.
Man bedenke, dass ich erst eine Nacht und einen halben Nachmittag mit diesem Monster spielen konnte; aber in dieser wirren Periode ist eine Review noch am objektivsten: Noch habe ich nicht vergessen, wie das alte System war, und die neuen Sachen stechen mir noch ins Auge wie diese Sonnenstrahlen, die sich hier gefräßig durch meinen Rollladen ätzen...

oeins: Das Aussehen!

Ohne wirklich den Finger darauf legen zu können wieso, muss ich dennoch behaupten, dass das Design einen ordentlichen Ticken düsterer wirkt als bei den Leoparden. Zum einen muss ich nie wieder babyblaue Scrollbars sehen... aber auch der Finder wirkt nun sachlicher, monotoner und nüchterner. Cover Flow wurde besser integriert. Und ich stehe auf das neue, blau gelbe-Standardhintergrundbild. Auch der Login-Screen hat Federn lassen müssen... und Launchpad sieht auf dem großen Bildschirm genau sexy aus wie auf einem iPad. Nice...

ozwei: Launchpad!

Launchpad war eine herbe Enttäuschung, als ich es gestern Nacht das erste Mal gestartet habe. Die Idee dahinter ist, dass es dir durch eine "simple" Geste auf dem Trackpad all deine Programme aufzeigt, die du derzeit installiert hast - mehr oder weniger auf die selbe Art, wie ein iPhone oder ein iPad seine Apps anordnet.
Was ja eigentlich eine feine Sache ist.
Nur hat Apple einen entscheidenden Fehler gemacht: Das Programm zeigt nicht nur kaltschnäuzig alles an, was sich vorher im Ordner "Programme" befand, sondern überhaupt alles ausführbare, was du irgendwo auf deinem Rechner liegen hast. Irgendwelche Readmes zu arkanen Spielen; Uninstaller für DivX und lauter solchen Bullshit.
Und das schlimmste: Apple liefert keinerlei Einstellungsmöglichkeiten für Launchpad. Wenn ich da mal keinen schnellen Patch wittere... jedenfalls, bis es soweit ist müssen wir mit dem kostenlosen "Launchpad-Control" vorlieb nehmen, das uns zumindest gestattet, bestimmte Apps und Ordner einfach auszublenden. Aber auch die Anordnung muss langfristig optimiert werden; auf dem iPhone ist das "Drücken bis es wackelt" und "dann eins nach dem anderen an seinen Platz schieben" nur eine Krücke; ich räume alle paar Monate meine Home Screens auf, aber wenn ich das tue, dann an meinem Rechner, via iTunes - wo ich schnell Programme v
bewegen, löschen & sogar ganze Home Screens verschieben kann. Launchpad muss diese Funktionalität bekommen, sonst läuft es Gefahr, eine Totgeburt zu werden.

So viel zur Kritik - allesamt Gedanken, die ich gestern Nacht formuliert habe, kurz bevor ich vor Erschöpfung ins Bett gefallen bin, gegen 7 Uhr morgens, mit Tools "Lateralus" auf Endlosschleife, um das gottverdammte Vogelgekreische zu übertönen.

Heute mittag, nach ein wenig Einarbeiten & hin- und her schieben, fing ich schließlich an, die Intriguing Possibilites hinter Launchpad zu erkennen. Mit ein wenig Tweaking wird es zu einer mächtigen Ergänzung des Docks, und es schlägt das alte "Stapel"-System um längen. Banales Beispiel: Ich habe seit jeher meinen Ordner mit Apples Dienstprogrammen, und darin liegen seit jeher das Festplatten-Dienstprogramm, die Aktivitätsanzeige & das Terminal. Programme, die man eigentlich dauernd braucht. Also... warum sie nicht einfach aus dem Unterordner rausziehen & an prominenter Stelle im Launchpad postieren? Oder Adobe Creative: Wann muss ich schon Flash CS 4 starten? Aber andererseits: Warum soll Photoshop in einem Unter-Unterordner versauern?

odrei: Mission Control & Lost in Spaces

Ich weiß noch nicht so wirklich, was ich aus der neuen Verquickung von Spaces & dieser Mission Control machen soll. Der Vorgänger davon, Exposé, war eigentlich mein Standard-Move, wenn ich irgendwas an meinem MacBook am Machen war. Von daher ist es gerade schwierig, mir die alte Geste abzugewöhnen & die neue zu lernen.
Spaces war theoretisch immer eine feine Sache, aber egal wie sinnvoll sie eigentlich ist, hatte ich nie den Nerv, mich damit auseinander zu setzen. Aber jetzt spiele ich fest mit dem Gedanken, mir einen Space nur für Uni-Kram aufzumachen, auf dem für alle Ewigkeiten meine halb geschriebenen Seminar-Arbeiten geöffnet sind, nur als grausames Mahnmal an meine eigene Faulheit.
Was ich in letzter Zeit auch gebraucht hätte (und beim nächsten Mal auf jeden Fall antesten werde) ist ein Space mit einem Browserfenster, das nur Recherche beinhaltet. Ich leide unter chronischer Browser-Entropie: Tab-Surfen, mehrere Fenster, und in Krisenzeiten sogar mit zwei Browsern parallel. Geöffnet ist dann alles: Mehrere Tabs mit Facebook, diverse YouTube-Videos, Streams, die vorladen müssen, Rechercheergebnisse, die noch als .pdf gespeichert werden müssen, Wikis, deine Mutter.
Zumal ich auch nur 13" Bildschirmdiagonale zur Verfügung habe. Was auf einem Mac erfahrungsgemäß mehr ist, als man denkt - so lange man nicht mit mehreren Leuten einen Film kucken möchte.

ovier: Performance

Die meisten Verrisse über OS X "Lion" beziehen sich derzeit auf zwei Punkte: (erstens) sei die Performance im Keller - mit dem Standard-Spruch: "Mein Lüfter läuft nur noch!", (zweitens) laufen alte, auf PowerPC-Architektur basierende Programme nicht mehr.
Okay.
Ersten Punkt kann ich bestätigen, unmittelbar nach dem Update war der Rechner launig und träge; man merkte ihm an, dass er gerade einen dicken Brocken zu verdauen hatte. Vielleicht war es dieses Ruckeln und Laden, was mich schließlich in den Schlaf getrieben hat: War ich am Ende, oder war es der Rechner?
Wie ich heute gelernt habe ist dieses Verhalten aber recht normal, aus einfachen Gründen: Unmittelbar nach dem Update führt der Finder (im Hintergrund) eine komplette Neu-Indizierung der gesamten Daten durch; was ebenso wie das Backup, ein paar Stunden in Anspruch nehmen wird.
Ich hatte den Rechner über Nacht auf Sleep (wie gesagt, irgendetwas musste ja die Vögel übertönen), und war leicht geschockt, als ich heute mittag meine kalten Hände auflegte & das Gehäuse eine spürbare Hitze von sich gab - als hätte jemand über Nacht einen Portal 2-Marathon gezockt & sich dabei nur eingebildet, geschlafen zu haben.

Aber zu dem Zeitpunkt war die Indizierung wohl gerade in den letzten Zügen. Ich folgte einem anderen Ratschlag des World Wide Web & ließ das Festplattendienstprogramm mal sicherheitshalber alle Zugriffsrechte reparieren.
Seitdem läuft der Mac wieder wie ein schnurrender Schneeleopard. Ich habe, während ich hier gegen die Uhr antippe, eine faire Zahl an Programmen laufen (App-Store, Mail, Pages, iTunes, die Systemeinstellungen, VLC, Safari & StarCraft 2); dennoch höre ich kein Ton mehr vom Lüfter.

Der andere Haken ist für manche unangenehmer: Alte PowerPC-Programme, die bis vor dem Update noch in einer Art "Klassik"-Umgebung unterstützt wurden, müssen jetzt durch moderne Pendants ersetzt werden. Was musste bei mir dran glauben? Zunächst mal unnötiges Zeug, irgendwelche veralteten DivX-Player; dann so ein kleines Programm, das den SWAN-Computer aus LOST simuliert (inklusive Weltuntergang) - okay, schon bitter, aber andererseits wusste ich nicht mal mehr, dass ich das überhaupt installiert hatte. PeerGuardian machte Probleme, aber wie sich herausstellte gab es mittlerweile eine neuere Version, die anstandslos läuft.
Richtig fies war, dass ich DooM Legacy nicht mehr zocken kann - zumal ich mir das letzte Woche erst besorgt hatte. Ich hab's zwar schon durch, aber irgendwann wollte ich mir auch die restlichen Level besorgen...
Aber, wie heißt es so schön? Doom wurde bereits auf alle Plattformen dieser Welt geportet, sogar auf Kühlschrankdisplays. Auch für "Lion" wird eines Tages eine Version erscheinen.

ofünf: Mail (plus Adressbuch & iCal)

Mail wurde aufgebohrt! Fuck yeah, denn für mich ist dies schlicht und ergreifend die Killer-App des Mac. Ich verbringe mehr Zeit mit dem Schreiben von irgendwelchen Texten, als es für einen jungen Mann gesund & ratsam ist - und vieles davon wird über eMail in den Äther geschickt. Es gibt Tech-Blogger, die dir sagen werden, dass die Mail tot ist, und dass Twitter & Facebook es auf ihrem Grab miteinander treiben.
Aber das sind Amerikaner und eh kommunikationsgestört. Wir sind hier im alten Europa, wo Worte noch von Macht erfüllt werden können, und wo die Tastatur mächtiger ist als die Feder.

Von daher ist es jammerschade, dass ich jetzt hier sitze und diesen kläglich gescheiterten Versuch einer seriösen Review hinrotze, statt endlich mal meine ausstehende Korrespondenz fertig zu machen. Aber dennoch, auch ohne großartig Gelegenheit gehabt zu machen, mit mit dem neuen Mail zu befassen, weiß ich jetzt schon von den ersten Eindrücken her, dass wir beide gute Freunde werden.

Das neue Adressbuch wurde von einigen belächelt, weil sein Design den Charme einer 90er Jahre OEM-Software versprühe, aber wer weiß... vielleicht verstecken sich hinter diesem Biest ein paar nette neue Möglichkeiten? Adressbuch ist an sich eine extrem sinnvolle App, wenn man sie in Kombination mit einem Handy einsetzt: Telefonnummern, eMail-Adressen, Namen, Adressen... alles an einer zentralen Stelle.
Das selbe gilt für iCal, für das ich derzeit absolut gar keinen Bedarf habe, denn ich habe noch zwei Wochen Urlaub vor mir.

osechs: Voll Bild!

Apple ist merkwürdig. Das irgendwie so... normal wirkende System von "Vollbild" wurde nie wirklich auf den Mac übertragen - du kannst zwar ein Fenster so verziehen, bis es das gesamte Bild füllt, und das Dock frei lässt, aber das muss manuell geschehen. Statt dessen schafft der grüne "Maximieren"-Button nur so etwas wie eine optimale Breite für den jeweiligen Inhalt, den du in dem Fenster gerade hast.
Und jetzt, im Jahr 2012 nach Christi, führt Apple endlich mit Pauken & Trompeten Vollbild-Apps ein, und wenn Apple "Voll Bild" sagt, dann bei Gott, meinen sie auch "Voll Bild".

[Ich habe an dieser Stelle des Schreibprozesses inne gehalten, mir eine Kippe angesteckt & das Safari-Fenster, in das ich diese Review einhacke, auf Voll Bild eingestellt. Das Dock ist verschwunden, die Menüleiste am oberen Rande, es ist alles fort. Eigentlich wollte ich den gesamten Rest dieses Abschnittes so im Voll Bild fertig schreiben, aber jetzt, da es da ist, fällt es mir schwer, diese eckige Klammer zu schließen. Nichts anderes beschreibt besser das Gefühl von Klaustrophobie, den diese Ansicht vermittelt. Meine Programme sind noch da, iTunes spielt weiter Musik, aber dies ist nun alles an einem anderen Ort, in einem anderen "Space". Eine einfache Geste würde mich an diesen Ort zurück bringen... doch bin ich gewillt? Ich fühle mich wie ein Astronaut, dessen Verbindungskapsel zum Space Shuttle durchtrennt wurde... ich drifte davon, in die endlosen Weiten des Voll Bilds... am Abgrund der Unendlichkeit...]

osieben: Nerviges Zeug

Der Insider-Gag am neuen "Lion" ist die neue, natürliche Art des Scrollens. Kurz gesagt, es ist nun alles umgekehrt: Wenn du in einem Dokument nach unten willst, musst du nach oben scrollen; der Gedanke dahinter ist, dass du wie auf einem iPad den Text "nach oben schiebst, um zu sehen, was unten nachkommt".
Pffff... heute Nacht hatte ich mir in meinem Stupor vorgenommen, diesem Feature eine Chance zu geben, einfach mal um zu kucken, wie es ist; aber heute "morgen", nach dem Aufwachen, war von diesem Elan nichts mehr übrig. Ich sitze seit 13 Jahren vor Computern. Manche Sachen sollten sich nicht ändern.
Was auch mächtig daneben ist, ist die neue Art der automatischen Schreibkorrektur. Quasi, das eingebaute Wörterbuch macht mir, wie auf dem Handy, automatisch Vorschläge, wie ich ein Wort zu schreiben habe. "Meinten Sie "Arkaden"? - Nein, meinte ich nicht. Hihihihi, das wurde sehr schnell abgestellt.
Das letzte nervige Detail war eine Art von... Tippsperre, wenn man einen Buchstaben gedrückt hält. Quasi, wenn ich etwas kommentieren wollte mit "Rrrrrrrrrrrrrrrrr", dann müsste ich siebzehn Mal die Taste "r" drücken, statt sie einfach gedrückt zu halten. Gottseidank gibt es einen Terminal-Befehl dagegen ("defaults write -g ApplePressAndHoldEnabled -bool false", ohne die Guttenbergfüßchen).

Abschließende Gedanken: The "Lion" King

"Lion" ist ein brutales Update, und ich habe mir einen Spaß daraus gemacht, es jedes mal in obiger Review als "Lion" in Einführungszeichen zu betiteln. Als gäbe es Grund zur Debatte, dass dies der neue Löwenkönig unter den Betriebssystemen werden könnte - insbesondere wenn man bedenkt, was Microsoft einem für das gleiche Geld geben würde.
Fakt ist, dass es die zu erwartenden Geburtsschmerzen gibt, und dass Apple in den kommenden Monaten das eine oder andere Feature wird nachliefern müssen. Aber auch die Kommunikation hätte besser sein können: Wieso sagt das Teil mir nicht einfach nach der Installation, dass nun der Finder die gesamte Festplatte neu indizieren wird, und dass deswegen nun für einige Stunden mit Leistungseinbußen zu rechnen ist? Apple hätte sich eine Menge wütender Reviews im eigenen App-Store sparen können.
(Anscheinend brauchten auch alle iLife-Programme ein Update, um fit zu werden für die neuen Funktionen, aber das hatte ich mir wohl schon vor der Installation installiert).

Ist der große Quantensprung gelungen, die iPad-Experience auf den Rechner zu holen, ohne an Funktionalität zu verlieren? Bedingt. Apple stellt klar, dass es in Zukunft das Datensystem (den Finder) verstärkt in den Hintergrund drängen will; sein neues, farbleeres Aussehen spricht dafür. Programme - oder Apps, in der Sprache unserer Zeit - sind in dieser Welt unsere einzigen Anlaufstellen für den Umgang mit Daten. So wie iTunes es überflüßig gemacht hat, seinen Musikordner zu verwalten und iPhoto das Management der Bilder in die Hand genommen hat, sollen bald alle Dateien durch mächtige Browser/Management-Programme bedient werden. Was ein wenig nostalgisch stimmt; denn ich bin zu jung, um wirklich zu dieser Terminal-Clique zu gehören, die noch unter DOS gelernt haben, ihre Meinung gegenüber einem Computer auszudrücken. Ich gehöre zu der Generation Windows 95 - das erste OS mit einem cleveren, mächtigen Dateisystem. Dass ich in dieser Zeit den Umgang mit Rechnern gelernt habe, lässt heute auch meine Verbundenheit zu dieser Art der Bedienung spüren - eine Art, die in den kommenden Jahren zunehmend in Vergessenheit geraten wird. Und das nicht, weil wir bald alle nur noch Macs benutzen und Windows untergehen wird; sondern schlicht und ergreifend, weil Mac immer der Ideenlieferant für Windows sein wird.

Und so schließe ich mit den Bildern, von denen ich denke, dass man sie für immer mit dem neuen Mac OS X LION assoziieren sollte. Ein brutales, wütendes OS für eine neue Ära.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sehr schönes Beispiel dafür, dass mich ein Artikel fesseln kann, ohne dass mich das Objekt desselben (Apple) mich auch nur einen Scheiss interessen würde!

DerStalker

Anonym hat gesagt…

Auf welchem 13" Zoll ?Macbook? läuft denn Starcraft2? Und geht bei deinem auch der Boden ab? Hab von dem Wechsel zu Lion kaum Unterschiede bemerkt, die Scrollrichtung war mir auch zu Strange und das Launchpad hat für mich gegen Alfred keine Chance.
Aber was meinst du mit Vollbild? Klappt das nur in den Apple-Programmen? Bei iTunes und Firefox passiert bei Klick auf grün nichts anderes als bei Snow L. Evtl. übersehe ich aber auch einfach nur mal wieder die einfachste Funktion...

Henrie Schnee hat gesagt…

Ja, ein 13" MacBook - eines der wenigen nicht-Pros, die trotzdem ein Aluminium Unibody hatten, gekauft Ende 2009 (d.h. 2 GHz Intel Core 2 Duo mit 4 GB RAM).

Starcraft 2 läuft, allerdings musste ich die Grafik nach dem letzten Patch ein wenig runterschrauben. Die Performance schwankt seit dem.

Meinst du mit "geht bei dir der Boden ab", ob ich meinen Boden manuell öffnen kann (ja), oder ob er mittlerweile dauernd von alleine abfällt (nein)?

Alfred ging völlig an mir vorüber. Hatte es mir letzten Mittwoch mal runtergeladen, hatte aber keine Gelegenheit mehr, mich damit zu befassen.

Vollbild ist eine neue Darstellungsweise, die unter Lion eine App quasi zu einem eigenen Space macht, d.h. das Dock wird ausgeblendet, die Menüleiste verschwindet, die App nimmt den gesamten Bildschirm ein. Mit einer 4 Finger-Geste kann man dann zwischen den einzelnen Vollbild-Apps & dem normalen Desktop hin & her springen. Kuck mal oben rechts, es gibt einen eigenen Button dafür, der Grüne hat nichts damit zu tun.

Apps, die das bis jetzt unterstützen sind: Mail, Safari, iCal, iPhoto & iTunes. Bestimmt noch ein paar mehr. Mit iTunes sieht es sehr geil aus, aber auch Safari macht (nach 2 Tagen) einen unglaublich guten Eindruck darin. Es ist, wie ich sagte: Du hast das Gefühl, vor einem iPad mit Tastatur zu sitzen, und du musst es nicht mal fest halten!

Anonym hat gesagt…

super Bericht, der mich überzeugt hat, entgegen der einSterneBewertungen des AppStores nun doch dem Löwen eine Chance zu geben! Danke.