29.11.14

Jurassic Park: Games

Wie alle Kinder, die ohne eigene Spielkonsole aufwuchsen, entwickelte ich eine späte, aber umso intensivere Liebhaberei, als die Volljährigkeit und die Gehaltschecks eintrudelten. Mein Trauma war Weihnachten 1989, als mein Vater heimlich ein Nintendo Entertainment System unter den Weihnachtsbaum legte - und meine Mutter die Fassung verlor, als sie das sah. 'Bloß nicht, dann wird der Junge sein ganzes Leben nur vor irgendwelchen Bildschirmen sitzen!' Das NES wurde umgetauscht und ich lernte früh, was eine Selbsterfüllende Prophezeiung ist.

Zwei Dinge faszinierten mich als Kind: Computer(spiele) und Dinosaurier. Die Kindergärtnerinnen wollten mich zu 'Wetten, dass...' schicken, weil sie es noch nie erlebt hatten, dass ein Kind sich für Wissenschaft interessiert, bevor es lesen kann.

Mit 6 Jahren fand ich die Kombination all meiner Kindheitsträume: Ein Film wird kommen mit Dinosauriern, Computern, Wissenschaftlern, Effekten...

Dieser Film war Jurassic Park.



Den Effekt auf uns Kinder der 80er muss ich Altersgenossen nicht erklären... aber bei meinen jüngeren Mitbewohnern etwa treffe ich auf Skepsis und leere Blicke, wenn ich von "John Hammond" und dem "Sozialverhalten von Velociraptoren" anfange. Sie kennen JP nur aus dem Fernsehen, wo ein sechs Meter hoher Tyrannosaurus nicht bedrohlicher wirkt als ein Happy Slapping-Video auf einem Handybildschirm.

Ich diskutierte das letztens während Gin Tonics mit einer Schauspielerin, die eine passende Erklärung für die mediale Verdrängung des Dinosauriers gefunden hat: "Was in deiner Kindheit die Dinosaurier waren - das sind heute die Zombies!"

Aber das könnte sich ändern! (Vor dem Weiterlesen auf Video ansehen)


Fuck... ich kann mir das gar nicht genug ansehen! Seit Tagen tanzt mein innerer Sechsjähriger schon kleine Freudentänze durch die WG... die alten DVDs werden wieder hervorgekramt... und ich möchte mich anschicken, dir, Dem Leser, drei coole Wege ans Herz zu legen, wie auch du deinen inneren Paläontologen wieder re-aktivieren kannst: Computerspiele!

JP hatte es seinerzeit zu jeder nur denkbaren Form von Medium, Merchandise und Spielzeug gebracht - ich erinnere mich, dass ich zu einem Zeitpunkt sogar zwei Flaschen Velociraptor-Shampoo besessen habe. Die Königsklasse - das, wovon wir Kids vor Weihnachten fantasiert haben - waren aber die Computerspiele. NES, SNES, Sega Genesis, PC, fucking Tiger Electronics, Playstation... und rückblickend war vieles davon Schund, schlecht programmiert oder oberflächliche Massenware. Aber einige Spiele hatten sich das JP-Gütesiegel wahrlich verdient. Für manche Formen der Unterhaltung wurden keine Kosten gescheut.... und da draußen hat etwas überlebt.

I. Jurassic Park 
(Ocean, NES und PC)


Hätte ich an jenem verhängnisvollen Weihnachten 1989 meine NES behalten können, hätte Weihnachten 1993 ausgesehen wie auf diesem Screenshot. Statt dessen bekam ich es 1995, als PC-Port, und kriegte es nie zum laufen. Die zweite Hälfte der 90er legte ich die CD-Rom immer mal wieder ein, versuchte immer neue Tricks, aber im Zeitalter vor dem Internet war ich auf brutale Software-Bastelei und Videospiel-Magazine angewiesen.

Eine aktualisierte Version mit besserer Grafik und einem Ego-Shooter-Modus kam später für das Super Nintendo, und ich konnte einen meinen Cousins davon überzeugen, es sich zu holen. Man spielt Alan Grant in glorreicher 8 Bit-Grafik und muss den außer Kontrolle geratenen Jurassic Park überleben. Das Spiel setzt einen Präzedenzfall, das auch spätere gute Titel ausmachen würde: Es ergänzt die Filmideen mit nicht genutzten (oder technisch nicht umsetzbaren) Konzepten aus dem Buch. So tauchen hier schon die (Pro)Compsognaten auf, die hühnergroßen Mini-Räuber aus The Lost World, man muss die Nester der wild brütenden Dinosaurier ausfindig machen, Waffen aus dem Roman werden verwendet...

Ho Ho Ho. Heute muss man etwas tricksen, um das Spiel auf modernen Geräten zum Laufen zu kriegen - aber es ist möglich! Das Internet hat mir Seelenfrieden beschaffen, was das angeht. Und ein Trauma beendet, das 25 Jahre an mir nagen konnte.

II. Jurassic Park: Operation Genesis 
(Blue Tongue Entertainment, PC, PS2, X-Box One)


Abgesehen von dem etwas merkwürdigen Titel, der uns daran erinnert, dass dieses Spiel auf dem Höhepunkt der Bush Jr.-Ära erschien, ist dies vielleicht eines der besten Stücke Software, die ich mir je zu Gemüte geführt habe. Leuten erkläre ich es immer als "Rollercoaster Tycoon mit Dinos statt Achterbahnen". Es verdient einen Ehrenplatz auf dieser Liste, weil es die Prämisse von "Jurassic World" vorweg nimmt: Was, wenn der JP nie gescheitert wäre? Was, wenn Hammond recht gehabt hätte?

Du spielst also den Manager des Modernsten Vergnügungsparks der Welt - und deine Aufgabe ist es, die Superreichen mit den Thrills und dem Spaß zu versorgen, von dem Kinder vor der Zombie-Ära träumte. Du organisierst Ausgrabungen für Fossilien und Bernstein, die dir neue DNA-Sequenzen für neue Dinosaurier verschaffen, baust Gehege und Futterplätze, Aussichtsplattformen und Safari-Routen, Souvenir-Stände und Imbiss-Buden, Parkwächter-Stationen und Sicherheitssysteme... und wehe dem Rechtsstreit, wenn dein T-Rex aus dem Gehege ausbüchst & einen Millionär verspeist!

Man kann sich super in Details verlieren, wenn man seine Gallimimus-Herden vor Unwettern beschützt, einen kranken Brachiosaurus pflegt oder einfach seinem Spinosaurus dabei zusieht, wie er im Sonnenuntergang sein Territorium patrouilliert... ich spiel dieses Game wahrscheinlich einmal pro Jahr. 
Henrie Schnee-approved!

III. Jurassic Park: The Game 
(Telltalle Games, PC, Mac, PS3, X-Box 360)


Dieses Spiel setze ich auf die Empfehlungsliste, auch wenn ich es noch nicht zu Ende zocken konnte. Auf meinem alten Laptop überforderte es die Grafikkarte regelmäßig, und erst durch den Jurassic World-Trailer hatte ich nochmal die Motivation, es auf dem neuen Computer zu versuchen.

Also spiele ich im Moment noch Level, die ich bereits kenne - aber der zweite Eindruck, auf maximalen Grafikeinstellungen, bestätigte nochmal die positiven Erinnerungen. Jurassic Park: The Game ist ein merkwürdiger Hybrid, den ich am ehesten als Point & Click-Adventure beschreiben würde. Es ist nicht perfekt - die Animationen glitchen gerne einmal, und überhaupt hat die Grafik etwas von einem Fanflick, den jemand in einem 3D-Animationsprogramm zusammengebastelt hat. 

Aber von allen Spiel-Umsetzungen, die ich zu JP angefasst habe, bietet dies den meisten Respekt vor dem Quellenmaterial. Es wirkt erst widersprüchlich, ein Point & Click-Adventure in einem so actionreichen Stil zu präsentieren: Begegnungen mit Dinosauriern überlebt man nur, wenn man gut im Lösen von Quicktime-Events ist. 
Das macht das Spiel hochgradig cineastisch - und die Unterteilung in kleine, storymäßig zusammenhängende Szenen unterstützt das Gefühl zusätzlich. Die Charaktere sind glaubwürdig und wachsen einem ans Herz. 

Das extra "Hut ab" erhalten die Macher für ihren eigenen Beitrag, den sie zum JP-Universum liefern. Zum einen sind das die grandiosen Level, in denen man etwa Attraktionen besucht, die weder im Film noch im Buch erwähnt werden oder einer Wissenschaftlerin bei Verhaltensforschung im Feldlabor hilft. Zum anderen ist es der neue "Freak"-Dinosaurier, den die Autoren für ihr Spiel in den Jurassic Park-Mythos eingearbeitet haben, und über den ich an dieser Stelle nichts verraten werde.


Ein Abenteuer, das vor 65 Millionen Jahren began 

Ich für meinen Teil freue mir einen Ast auf Jurassic World. Es war nicht leicht, dieser Franchise dabei zuzusehen, wie sie erst trockengemolken und dann in der Bedeutungslosigkeit verschwand. "The Lost World", das Sequel, war ein konfuser Werbespot für mehr Spielzeug, und der spät nachgeschobene "Jurassic Park III" eine traurige, enttäuschende Resteverwertung.

Für JP4 leakte vor Jahren ein Drehbuch, das viele erschaudern ließ, mit mutierten Dinosauriern und Velociraptoren mit kybernetischen Waffen... "Gunshots by Velociraptor" wurde ein Meme, die Nerds hassten die Transformer-esquen Implikationen. Und tja, wie der Trailer schon verrät, wollte diese Drehbuch-Idee einfach nicht sterben. Aber ich gebe der Idee eine Chance. Denn: War das nicht überhaupt immer der Witz an Jurassic Park? Dass die Genetiker nicht wussten, dass ihre Kreationen sich vermehren und anpassten auf Wege und Arten, die sie am Reißbrett nie hatten vorher sehen können?

Und nun, nach einem halben Jahrzehnt in der Produktionshölle, wundere ich mich, was sie uns da abliefern werden. Aber hey, ich werde den Film sowieso mit den Augen eines Sechsjährigen sehen. 


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