31.12.14

Omen

Die Bleipreise sind deutlich gestiegen: Dank der glorreichen Sanktionen gegen Mütterchen Russland bezahlt man dieses Silvester in Berlin satte 2,50 Euro für eine Packung Bleigießen für 6 Personen. Dauernd diese gefühlten Inflationen!

Den Weihnachts-Post habe ich mir dieses Jahr in die Haare geschmiert, da ich die Wintersonnenwende in einer anderen Kultur und in anderen Sprachen verbrachte, und die reine Vorstellung, für 45 Minuten am Stück irgendetwas deutsches von mir zu geben, absurder und absurder wurde.

Im selben Geiste wollte ich mir auch den traditionellen "Jahresrückblicks-Text" sparen. The Repetition kills you! Zumal: Zweitausendfünfzehn wird so oder so fetzig, das können wir ja wohl alle schon in den Eingeweiden fühlen. Ihr braucht keinen Propheten, um Bestätigung für das Offensichtliche zu erhalten. Ich jedenfalls bin in bester Stimmung und orderte mir einen Koran, nur um auf Nummer Sicher zu gehen.
Überhaupt bin ich in einer merkwürdig religiösen Stimmung... und lese gerade Philipp K. Dicks "The Man in the High Castle", aus gegebenem Anlass... also beschloss ich, euch, den Lesern von [Henrie_Schnee], ein Orakel aus dem I Ging zu legen. Und warum auch nicht? Ich befinde mich in Berlin, wo Ost und West sich das gesamte 20. Jahrhundert lang "Gute Nacht" gesagt haben. Wo jeder einmal siegen und einmal verlieren musste. Wo jede Ideologie schon einmal verheizt wurde. 
Das nun folgende Orakel ist.... die Rache der geflügelten Jahresendfiguren.

Frage: Wie sollen Leser und Sympathisanten dieser Seite das Jahr 2015 angehen? 
 
Ergebnis: Nr. 56, 旅, Lü, der Wanderer
Unten☶, 艮 - 山, der Berg 
Oben ☲, 離 - 火, das Feuer 
Das Urteil: Der Wanderer. Durch Kleinheit Gelingen. Dem Wanderer ist Beharrlichkeit ein Heil. 
Das Bild: Auf dem Berg ist ein Feuer: das Bild des Wanderers, So ist der Edle klar und vorsichtig in der Anwendung von Strafen und verschleppt keine Streitigkeiten. 
Wandlung (1. Linie): Wenn der Wanderer sich mit kleinlichen Dingen abgibt, so zieht er sich dadurch Unglück zu. 
Interpretationen: Wenn du etwas erreichen möchtest, dann sei zuvorkommend. Nicht alle wissen wie es um dich bestellt ist. Sie kennen dich einfach nicht gut genug. Halte Abstand und bewahre deine Unabhängigkeit. Vermeide es, dich all zu sehr festzulegen.
Als Wanderer und Fremdling darf man nicht schroff sein und hoch hinaus wollen. Man hat keinen großen Bekanntenkreis, darum darf man sich nicht brüsten. Man muss vorsichtig und zurückhaltend sein, so schützt man sich vor Übel. Wenn man gegen die andern zuvorkommend ist, so erringt man Erfolge. Der Wanderer hat keine feste Stätte, die Straße ist seine Heimat. Darum muss er dafür sorgen, dass er innerlich recht und fest ist, dass er nur an guten Orten verweilt und nur mit guten Menschen verkehrt. Dann hat er Heil und kann unangefochten seine Straße ziehen.
Wenn der Wanderer sich mit kleinlichen Dingen abgibt, so zieht er sich dadurch Unglück zu. Ein Wanderer darf sich nicht entwürdigen und sich mit gemeinen Dingen am Weg abgeben. Gerade je niedriger und wehrloser seine Stellung nach außen hin ist, desto mehr muss er innerlich seine Würde wahren. Denn wenn ein Fremder denkt, dadurch freundliche Aufnahme zu finden, dass er sich zu Scherzen und Lächerlichkeiten hergibt, so irrt er sich. Die Folgen sind nur Verachtung und beleidigende Behandlung.

Quellen: I-Ging-Orakel.net; Wilhelm, Richard (Übers.): I Ging, Text und Materialien, Wikipedia: List of Hexagrams of the I Ching

Ha! Das ist doch mal ein spiritueller Schlag in die Magengegend! Meine lieben Leser, meine letzten noch verbliebenen Freunde in dieser sterbenden Welt, ich wünsche euch einen First Class-igen Rutsch ins neue Jahr! 

We shall overcome!

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