10.12.14

Parteitag: "CDU" ändert Parteinamen in "Deutschland"

(Köln) In einer Grundsatzentscheidung beschlossen die Delegierten des 27. CDU-Parteitag heute den wohl größten Image-Wandel in der 69 jährigen Geschichte der Partei: Mit sofortiger Wirkung benennt sich die CDU in allen 15 Landesverbänden in "Deutschland" um (stilisiert als „Deutschland", Untertitel „Demokratische Union der Christen").

"Dieses Re-Branding war schon lange überfällig," sagte Peter Tauber im Interview mit Deutschland TV. "Und es war so offensichtlich! SPD? Die Linke? Grüne? Es gibt keine P’s, K’s und Ü’s in Deutschland!" 

Entsprechende Pläne sind bereits Ende der Achtziger Jahre diskutiert, nach der Wiedervereinigung aber vorerst auf Eis gelegt worden. Damals hatte eine kleine Anfrage der Bundestags-Opposition ergeben, dass alle Urheber- und Markenrechte am geschützten Begriff "Deutschland" in der Tat beim Land Bayern liegen. Aus Lizenzgründen wird unsere Heimat im Ausland daher mit rechte-freien Synonymen wie "Germany" oder "Allemagne" bezeichnet.

Einige der Redner taten sich aber noch schwer mit der neuen Sprachregelung: "Deutschland hat schon immer von Deutschland profitiert - und Deutschland ist der größte Nutznießer von Deutschland," sagte etwa Annegret Kamp Karrenbauer in ihrer Rede.

Deutschland reagierte mit dieser Zäsur aber auch auf Häme und Kritik der vergangenen Tage. Parteimitglieder hatten in einem Antrag gefordert, Ausländer in Deutschland künftig dazu aufzufordern, überall Deutsch zu sprechen. Menschenrechtler, Kritiker und Oppositionsparteien warfen Deutschland darauf hin vor, mit dem Bedienen nationalistischer Ressentiments eine künstliche Bedrohung durch Einwanderer, Flüchtlinge und Moslems herbeizureden zu wollen, um katastrophale Fehler in der Überwachungspolitik rückwirkend zu rechtfertigen. Deutschlands Positionen bei den Themen Innen-, Flüchtlings- und Integrationspolitik verblieben aber weiterhin bissig.

Dennoch möchte Deutschland auch bei der kommenden Bundestagswahl 2017 die stärkste Fraktion im deutschen Bundestag werden. "Deutschland engagiert sich für alle, die sich für Deutschland stark machen," war das wiederholte Motto des kommenden Wahlkampfes.

Die Namensänderung geht auch mit einer innerparteilichen Wertedebatte einher. Deutschland habe sich, seit es die Bundesregierung stellt, mehr und mehr von seinen konservativen Wurzeln entfernt. "Deutschland muss dem Bürger wieder zeigen, wofür wir einstehen: Mehr Freiheit für Deutschland! Zukunftsweisende Wirtschaftsbedingungen für Deutschland! Bessere Schulen für Deutschland sowie eine bessere Kranken- und Altersvorsorge für Deutschland," versprach etwa Julia Klöckler unter frenetischem Applaus der Deutschland-Mitglieder. Die designierte stellvertretende Deutschland-Vorsitzende Ursula von der Leyen forderte in ihrer Rede, "Deutschland muss künftig eine stärke Rolle in Deutschland und Europa einnehmen, um sich den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen."

Das Presse-Echo ist, zur Stunde, positiv. Wie auch der verniedlichende Begriff "GroKo" zuvor wurde die Namensänderung von den meisten Blättern unkritisch übernommen: "Deutschland bestätigt Angela Merkel als Partei-Vorsitzende," titelte etwa Spiegel Online. Die FAZ schreibt "Merkel fragt Deutschland: Wie klein will sich die SPD eigentlich noch machen?"; Bild Online freut sich hingegen über den erfolgreichen Marketing-Clou mit dem Aufmacher "Deutschland: Wir sind Deutschland!"

In Abwesenheit wurde auch Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble, der wie auch die anderen Delegierten alternativlos angetretenen war, im Präsidium von Deutschland bestätigt. Angela Merkel hatte in seinem Namen gesprochen, da Schäuble parallel Deutschland bei einem Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel vertreten musste. Neben dem Präsidium und Merkel als Vorstand wurden auch der Bundesschatzmeister und die Mitglieder des Bundesvorstand von Deutschland in ihren Ämtern bestätigt.

Ihre Abschlussrede nutzte Merkel, um das neue Branding für einen gekonnten Schlag gegen die Partei AfD einzusetzen, die Deutschland in den letzten Jahren am rechten Rand erfolgreich Stimmen streitig machen konnte: "Die Menschen in unserem Land haben verstanden: Deutschland ist die einzige Alternative zur Alternative für Deutschland," so Merkel unter lautem Applaus. "Ich sage heute: Deutschland ist alternativlos – und vor allem: Deutschland ging es noch nie so gut wie heute!"

hes mit Material von dpa, AP und Reuters


Update 17:05: Am frühen Abend erreichen uns Meldungen, wonach die vorherige CSU dem Vorbild ihrer Schwesterpartei folgen und zukünftig unter dem Parteinamen "Freistaat Bayern" antreten wird. Am Rande der Pressemitteilung wurde ebenfalls darauf hingewiesen, dass Freistaat Bayern und die Bayerische Landesbank im Rahmen dieses Strukturwandels fusionieren werden, "um weitere Synergieeffekte, die sich aus diesem einmaligen Standortfaktor ergeben, erkunden zu können."



Kommentare:

Henrie Schnee hat gesagt…

"Homer, das ist nie passiert!"

Anonym hat gesagt…

Herrlicher Gonzo-Artikel!

CDU, CDU über alles! ;)

DerStalker